auch ich kämpfe mit dämonen – und mia hält den spiegel hin

Ich lebe seit vielen Jahren in der Schweiz. Als ich Pfingsten 2010 in meiner Heimatstadt meine Familie besuchte, war wunderschönes Sommerwetter. Gegen Nachmittag wurde es immer drückender und Wolken zogen auf. Dicke Wolken. Grüne Wolken. Ja, eine grüne Wand. Ein Schauspiel das man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt.

Unser Familienhund (Westi) war damals schon in der Sterbephase und lag noch in der Wärme im Garten. Wind kam auf und die ersten Regentropfen fielen. Es wurde stärker und ich wusste das „Spikey“ es nicht so schnell aus dem Garten ins Haus schaffen würde. Ich rannte ihn schnell holen. Auf dem Arm ab ins Haus. Mein Papa hinter mir…und schon schoss der erste Dachziegel auf den Boden.

Pfeifen, krachen, rauschen, donnern, blitzen….

Ach du scheisse, was geht denn da gerade ab. Ich rannte durchs Haus und machte alle Fenster zu.

Ich spürte sofort…das muss ein Tornado sein. Mich faszinieren Tornados schon immer und ich wusste instinktiv immer das sie nicht mehr lange „nur in Amerika“ zu Wetterphänomenen zählen werden. Wie viele Minuten er brauchte, weiss ich bis heute nicht. Das Haus meiner Familie hat nur die „Ausläufer“ abbekommen. Andere Häuser, sogar Dörfer hat es schlimmer getroffen.

Diese Gewalt der Natur prägt mich bis heute. Dunkle Wolken die ein Gewitter sein könnten und darauffolgender Wind lässt mich leicht in die Unsicherheit kommen und je nachdem wo ich gerade bin, sogar in die Panik.

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Vor kurzem war ich mit Mia unterwegs. Schon beim Loslaufen sah ich hinterm Haus, das dunkle Wolken aufzogen. Ich dachte das wird sicher nichts Schlimmes, nur etwas Regen.

Während unseres Spazierganges kippte irgendetwas und ich bekam ein mulmiges Gefühl. Ich ging einen kürzeren Weg weiter, als ich ihn geplant hatte. Ein grollen am Himmel, leichter Wind zog auf und es wurde dunkler.

Das Rauschen durch die Bäume ist für mich ein echt beängstigendes Gefühl. Nicht zu vergleichen mit dem rauschen des Sommerwindes durch die Baumwipfel.

Ich zwang mich ruhig zu bleiben. Zur Not könnte ich mich ja unterstellen. Doch mein Gefühl wurde leicht panisch. Der erste Blitz, wieder ein Donnern. Ich musste die Straße noch hoch. Wieder Donnern und mittlerweile regnete es. Die Straße hoch oder quer übers Feld hoch zum Haus? Quer übers Feld.

Völlig abgehetzt, nasse Hosen vom Gras und ein verwirrter Hund.

Puuh, ich war zuhause und setzte mich auf die Türschwelle unters sichere Vordach.

Mia glotzte mich unglaubwürdig an. Hää, was war das denn jetzt gerade??

Ja ich weiss, wir hätten auch die Straße laufen können. Aber verdammt nochmal ich hatte echt schiss.

Ich trocknete sie ab, wickelte ihr das Handtuch um den Körper und war dankbar, dass wir sicher zu Hause waren.

Als wir kuschelnd auf der Schwelle hockten, musste ich laut anfangen zu lachen. Ein Mix bei dem man nicht genau weiss ob man jetzt weinen oder lachen soll.

Und dann flüsterte Mia mir leise zu:

„Bist du dir bewusst, dass du dich diesem Thema irgendwann stellen musst???“

Ja, ich weiss es mein Schatz.

Herzensgrüsse

Romy

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